Gestaltung soz.Bezieh. Partnerschaften

Aufbau und Aufrechterhaltung stabiler sozialer Beziehungen, Kontaktaufnahme, Klärung von Konflikten
– Gegenseitige Bedürfnisse und Grenzen erkennen und mitteilen
– Krisenbewältigung
– Umgang mit eigener Sexualität
– Kenntnisse über Verhütung
– Kinderwunsch, Familienplanung

Die Aufzählungen sind nicht abschließend.

Allgemeine Ausführungen zum Item
Die Abgrenzungen/Überschneidungen zu anderen Items sind zu beachten und die verbundenen Bedarfe sind zu berücksichtigen.
Entscheidend ist hier nicht allein die aktuelle Lebenssituation eines Menschen mit Behinderung (hat er Freunde oder nicht, lebt er in einer partnerschaftlichen Beziehung oder nicht); abzuwägen sind vielmehr verschiedene inhaltliche Gesichtspunkte.
Eine Person hat keine Freunde/keine Partner/keine Partnerin
– und ist mit dieser Situation zufrieden (>kein Hilfebedarf<) - und leidet unter dieser Situation (Hilfebedarf je nach Umfang der erforderlichen Hilfestellung) - und kompensiert diese Situation durch spezifische Verhaltensweisen (enge Beziehung zu Betreuerin, Sich-Kümmern um Mitbewohner/-innen, Aggressivität, Depressivität, sexuell auffällige Verhaltensweisen etc.). Abhängig davon, ob diese Verhaltenweisen die betreffende Person selbst oder aber andere Personen beeinträchtigen oder nicht, kann ein Hilfebedarf (in unterschiedlicher Intensität) gegeben sein. Generell ist Hilfebedarf in diesem sehr persönlichen und intimen Lebensbereich äußerst sensibel zu beurteilen. Im Vordergrund sollten nicht normative Überzeugungen z.B. von Mitarbeitern stehen, an denen die Lebensführung eines behinderten Menschen gemessen wird. Vielmehr ist, aus einer Betrachtung der Lebensgeschichte und der Lebensperspektiven des betreffenden Menschen heraus, auf Hilfebedarf einzugehen, der entweder selbst artikuliert wird oder der sich als offenkundiges Leiden an einer persönlichen unbefriedigenden Situation (in unterschiedlichen Formen) äußert. Bei Heranwachsenden ist darüber hinaus die erzieherische Unterstützung zu berücksichtigen, beständige und verlässliche Beziehungen zu anderen einzugehen, aber auch sich abgrenzen zu lernen. Ebenso ist im Jugendalter (wie auch im Erwachsenenalter) der Umgang mit Fragen der Sexualität zu bedenken. Im Zusammenhang mit diesem Item stehen z.B. das Item14 und das Item 21. Das Item bildet die Fähigkeit ab, Freundschaften/Partnerschaften im und außerhalb des Wohnheimes für sich und andere adäquat gestalten zu können. Hierzu gehören nicht nur Beziehungsaufbau, sondern auch Erhalt von Freundschaften/Partnerschaften und Lösen von Konflikten. Als Hilfebedarf ist ausschließlich der individuelle Hilfebedarf des Bewohners zu berücksichtigen. Ein möglicher Hilfebedarf des Freundes/der Freundin oder Partners/Partnerin ist hier nicht relevant. Mitarbeiter der Einrichtung sind nicht als Freunde/Partner zu sehen, da sie die professionelle Distanz wahren müssen. Bei der Abgrenzung der Items >Gestaltung… im unmittelbaren Nahbereich< und >Gestaltung … in Freundschaften/Partnerschaften< gilt es zu differenzieren nach Intensität, Qualität, Ausprägung (Wechselseitigkeit, emotionale Bindung, Einmaligkeit, …).